Die Kunstformen und Stile der Wikinger

Wenn ihr Mittelalterinteressiert seid, dann kommt ihr früher oder später auch mit den Wikinger und ihrer wunderschönen frühmittelalterlichen Kunstformen, auch als Wikinger Stile bekannt, in Kontakt. Sie sind unverwechselbar, waren als Verzierungen allgegenwärtig, und sind auf Alltagsgegenständen, Waffen, Bauwerken, Schmuck und sogar den berühmten Runensteinen zu finden. Ich versuche euch mal einen Überblick über die einzelen Stile näher zu beleuchten und euch einen kleinen Überblick zu verschaffen.

 

Der Vendelstil ca. 550–800

Eigentlich vorwikingerzeitlich markiert der Vendelstil den Beginn der hohen Wikingerkunstformen und bekam seinen Namen nach dem bei Uppsala in Schweden gelegenen Bootsgrab in Vendel. Dieser Stil ist eigentlich die nordeuropäische Form der Tierornamentik der Germanen und wurde vor allem auf Fibeln, Metallbeschlägen und sogar auf Helme gefunden.

Der Osebergstil ca. 750 - 875

Dieser Stil bekam seinen Namen nach dem Fund aus dem berühmten Schiffsgrab von Oseberg. Mit ihm fanden Menschen-, Ranken- und  Tiermotive wie Greiftiere in der wikingischer Ornamentkunst Einzug, das Greiftie speziell hat aber hat seinen Ursprung wohl bei der Löwendarstellung der Angelsachsen und Franken. Auch die wiederkehrende Verwendung geometrischer Figuren wie Kreise, Spiralen und Dreiecke ist bezeichnend für diesen Stil.

 

Der Borrestil ca. 850 - 975

Benannt nach dem Schiffsgrab von Borre in Norwegen ist der Stil bekannt für seine Tier- und Knotenornamente. Funde in Skandinavien, auf den Britischen Inseln und in Deutschland belegen die weite Verbreitung. Außer den in Borre gefundenen Exponaten gelten die aus dem Grab von Gokstad geborgenen Schnitzereien und Metallarbeiten als typische Produkte des Stils.

Der Jellingstil ca. 920  - 975

Das Ornament auf einem kleinen Silberbecher, auch bekannt als Jellingbecher, der im Königsgrab von Gorm in Jelling in Dänemark gefunden wurde, gab dieser Stilepoche der Wikingerkunst ihren Namen. Der Jelling-Stil entwickelte sich wahrscheinlich sogar schon Ende des 9. Jahrhunderts und verbreitete sich im 10. Jahrhundert über ganz Skandinavien und auf Teile der Britischen Inseln. Dieser Kunststil konzentriert sich vor allem auf Tierdarstellung Seine Merkmale sind wie Borten oder Bänder wirkenden schlangenförmigen Tierleiber, deren Köpfe mit Zipfeln versehene Lippen und Zöpfe aufweisen.

Der Mammenstil ca. 940 bis 1000

Der Mammen-Stils, der10. Jahrhundert des Frühmittelalter die skandinavische Ornamentkunst dominierte, basiert auf den Fund einer silbertauschierten Prunkaxt aus einem Häuptlingsgrab, die bei Mammen in Mitteljütland entdeckt wurde. Dieser Stil ist eine üppigere Variante des zeitlich früher beginnenden Jellingstil, die Proportionen sind stattlicher und auch naturalistischer wiedergegeben und Rankenmotive tauchen häufig in Verbindung mit Tiermotiven auf. Einen der bekanntesten Darstellungen des Mammenstils findet man auf den berühmt Großen Runenstein von Jelling, den Harald Blauzahn um 965 setzten ließ. Eine Seite des Steines zeigt einen Löwen inmitten einer verschlungenen Blattornamentik, eine weitere Christus am Kreuz, gleichfalls eingerahmt von Rankenwerk.

Der Ringerikestil ca. 11. Jahrhundert

Auf den Mammen-Stil folgte der von Ringerike-Stil,auch bekannt als Runenstein-Stil, benannt nach einer Landschaft in Norwegen. Mehr als hundert Einzelfundestücke aus Stein, Knochen und Metall, die in Skandinavien, Irland und den britschen Inseln gefunden wurden, veranschaulichen diesen Kunststil, der seine Einflüsse zunehmen aus der ottonischen und angelsächsischen Buchmalerei und dem Christentum entnahm. Besonders ausgeprägt ist er auch auf vielen schwedischen und norwegischen Runensteinen zu finden.

 

Der Urnesstil ca. 1040 – 1110

Die Schnitzereinen am Giebel der Stabkirche von Urnes in Westnorwegen gaben dem letzten Stil der wikingischen Ornamentkunst seinen Namen. Kennzeichnend für den Stil sind feinlinige, ineinander verflochtene Tierdarstellungen. Funde und Beispiele finden sich in Norwegen, Schweden wo er auch als Runenstil bezeichnet wird, sowie in Dänemark, England und Irland. Die wohl bekannteste Darstellung erfährt dieser Stil aber gemeinsam mit dem Mammen-Stil und dem Ringerike-Stil auf dem berühmten Teppich von Bayeux.

 

Quelle: Dänemark Nationalmuseum

 

Bilder: Andre Liesegang

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